Intensivkonferenz 2015: Individuum und Kollektiv

Titel: Individuum und Kollektiv: Auf dem Weg zu einem neuen Paradigma?
Organisator: Georg Trautnitz
Veranstalter
: Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft
Zeit: 13.11.2015
Ort: Universität Regensburg, Vielberthgebäude, Raum VG 0.04
Tagungsprogramm:

Vormittag:

  • 10:00 h: Begrüßung
  • 10:15 h: Einführung des Organisators
    (Georg Trautnitz, Bamberg)
  • 10:35 h: „Interpersonalität aus dem Blickwinkel der Ökonomik“
    (Georg Trautnitz, Bamberg)
  • 11:00 h: „Wessen Absichten sind gemeinsame Absichten? Geist- und Sozialtheoretische Implikationen einer relationalen Theorie kollektiver Intentionalität“
    (David Schweikard, Münster)
  • 11:45 h: Kaffeepause
  • 12:15 h: „Interpersonalität aus dem Blickwinkel der Transzendentalphilosophie“
    (Hans Georg v. Manz, München)
  • 13:00 h: Mittagessen

Nachmittag:

  • 14:30 h: Kurzzusammenfassung
    (Georg Trautnitz, Bamberg)
  • 14:45 h: „Interpersonalität aus dem Blickwinkel der Völker- und Kollektivpsychologie“
    (Klaus P. Hansen, Regensburg)
  • 15:30 h: Kaffeepause
  • 15:45 h: „Rechtsgefühle – eine interpersonale Regung?“
    (Jan-Chr. Marschelke, Regensburg)
  • 16:30 h: Abschlussdiskussion

Tagungskonzept:

Das dominierende Paradigma der Sozialwissenschaften ist – zumindest dem Wortlaut nach – noch immer der methodische Individualismus: Sämtliche Phänomene der sozialen Welt sollen demnach erklärt werden durch die Aggregation der Entscheidungen von Individuen. Diese werden dabei als autonome Akteure vorausgesetzt.

Die Kritik an diesem Paradigma betrifft einerseits die Frage, inwieweit individuelle Akteure überhaupt als eigenständig vorausgesetzt werden dürfen bzw. ihrerseits von sozialen/kollektiven Phänomenen abhängig sind, und andererseits die Schwierigkeiten, die mit dem Verfahren der Aggregation bzw. der Reduktion verbunden sind. Die grundsätzlichen Antwortstrategien auf das mit diesen Fragen benannte Mikro-Makro-Problem können als konstitutiv für das Selbstverständnis der jeweiligen sozialwissenschaftlichen Ansätze und Strömungen angesehen werden.

Als systematischen Kristallisationspunkt der Auseinandersetzung möchte die geplante Tagung die Frage entwickeln und behandeln, welche Implikationen mit der Annahme der Möglichkeit einer Interaktion zwischen zwei Individuen verbunden sind: Können in atomistischer Vereinzelung gedachte Individuen sich überhaupt von sich aus aufeinander beziehen oder sind in dieser Bezugnahme bereits gedankliche Elemente enthalten, die sich nicht mehr als Abfolge von analytisch bestimmbaren Einzelhandlungen und -intentionen verstehen lassen? Muss also mit anderen Worten der methodische Individualismus durch ein anderes Paradigma ersetzt werden?

Die Tagung möchte zur Beantwortung dieser Frage die sozialphilosophischen Ansätze zur Interpersonalität aus der Tradition des deutschen Idealismus (insbesondere Fichte, Hegel, Husserl, Weber) in Beziehung setzten zu Ansätzen der „Kollektiven Intentionalität“, die eher in der Tradition der analytischen Philosophie verankert sind.

Aus der Auseinandersetzung zwischen beiden Argumentationssträngen sind für beide Seiten wichtige Einsichten zu erwarten. Als ideales Ziel der Tagung kann aber auch die Erarbeitung der Umrisse eines neuen kollektivwissenschaftlichen Paradigmas erhofft werden.