Intensivkonferenz 2016

Titel: Kollektive und Netzwerke in der Archäologie und Altertumswissenschaft
Organisator: Oliver Nakoinz
Veranstalter
: Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft
Zeit: 18.11.2016
Ort: Universität Regensburg, Vielberthgebäude, Raum VG 0.04
Tagungsprogramm:

Vormittag:

  • 10:15 h: Einführung des Organisators
    (Oliver Nakoinz, Kiel)
  • 10:30 h: „Kollektive und Netzwerke als alternative Ansätze in der Schnurkeramikforschung“
    (Martin Furholt, Kiel)
  • 11:00 h: „Riesen- und Glockenbecher als Standardisierungen“
    (Ralf Lehmphul, Berlin)
  • 11:30 h: Tee- und Kaffeepause
  • 12:00 h: „Kollektiv und Koinon. Konstitutionsfaktoren und Organisationsstrukturen rhodischer Vereine“
    (Benedikt Boyxen, Berlin)
  • 12:30 h: Diskussion 1
  • 13:00 h: Mittagssnack

Nachmittag:

  • 14:00 h: „Die Facetten des Kollektivbegriffs vor dem Hintergrund der eisenzeitlichen Gesellschaft“
    (Stefan Burmeister, Kalkriese)
  • 14:30 h: „Frühgriechische Dreifüße im Lichte von Kollektiven und Netzwerken“
    (Moritz Kiderlen, Berlin)
  • 15:00 h: Tee- und Kaffeepause
  • 15:30 h: „Kollektive und Netzwerke als komplementäre Ansätze in der Eisenzeitforschung“
    (Oliver Nakoinz, Kiel)
  • 16:00 h: Diskussion 2

 

Tagungskonzept:

In der Archäologie hat sich im letzten Jahrzehnt ein Paradigmenwechsel von der Archäologischen Kultur hin zum Netzwerkkonzept vollzogen. Gleichzeitig spielt der Begriff des „Kollektivs“ heute eine wichtige Rolle, allerdings losgelöst von Kulturkonzepten. Ich möchte diese Intensivkonferenz nutzen, um diesen forschungsgeschichtlichen Prozess zu hinterfragen und die Möglichkeit der Komplementarität der beiden Ansätze zu erkunden.

Netzwerke und Kollektive sind Modelle von Interaktionsstrukturen, die jeweils unterschiedliche Vereinfachungen wählen. Während manche Phänomene von beiden Modellen hinreichend abgebildet werden können, besitzt in vielen Fällen eines der Modelle deutliche Vorteile, da es dem Phänomen besser gerecht zu werden vermag. Die Modelle sind gleichermaßen substitutiv und komplementär. Einerseits kann man danach fragen, welches Konzept bestimmten Beobachtungen oder konzeptuellen Überlegungen besser angemessen ist. Andererseits bilden beide Modelle unterschiedliche Aspekte des gleichen Phänomens ab. Offensichtlich spielt der Gesichtspunkt und die Fragestellung einer Untersuchung eine zentrale Rolle bei der Auswahl des verwendeten Paradigmas, oder neutraler ausgerückt, Modells. Es ist also nicht die Frage, welches Modell moderner und zeitgemäßer ist oder in einer bestimmten Wissenschaftsgemeinschaft häufiger genutzt wird, sondern alleine, welches Modell bezüglich Fragestellung und Beobachtungen adäquater ist.

Die Komplementarität der Ansätze wird besonders bei komplexeren Interaktionsstrukturen wie Kollektivnetzen und Kollektivhierarchien deutlich, die durch Multikollektivität noch eine weitere Komplexitätssteigerung erfahren. Die kombinierte und gezielte Verwendung der beiden Grundmodelle Netzwerk und Kollektiv erschließt ein wesentlich differenzierteres Bild der Interaktionsstrukturen. Hier bahnt sich eine integratives Paradigma den Weg.

Im Feld der Begriffe „Netzwerk“ und „Kollektiv“ erscheint ein sehr wirkungsvoller und differenzierter Kulturbegriff, der sich vom traditionellen archäologischen Kulturbegriff erheblich unterscheidet und ein großes Potential für künftige Forschung birgt. Der Kulturbegriff kann somit erneut zu einem wertvollen Werkzeug der Archäologie werden.

Die, hier knapp skizzierten Fragen werden im Rahmen dieser Intensivkonferenz im Bereich der archäologischen Forschungstraditionen beziehungsweise Forscherkollektive „Steinzeit“ und „Eisenzeit“ thematisiert. Diskussionsimpulse werden sich nicht nur aus den theoretischen Standpunkten, sondern auch aus dem Gegensatz beider Forschungstraditionen, wie auch aus den archäologischen Fallstudien ergeben. Die erarbeiteten Positionen werden innerhalb der Archäologie, aber auch einem weiteren Kreis zur Diskussion gestellt.