Moritz Herrmann

Projekt: Die Erinnerung der Hydra - das Quilombo von Palmares im kulturellen Gedächtnis Brasiliens

Projektbeschreibung:

Anhand der Erinnerung an das Quilombo von Palmares, ein über das 17. Jahrhundert hinweg bestehendes Gemeinwesen aufständischer Sklaven im Hinterland des kolonialen Brasiliens, thematisiere ich den Zusammenhang von Kollektivität und Erinnerung. Durch die Untersuchung wissenschaftlicher, politischer und kultureller Zeugnisse, zeichne ich nach, wie ein Sklavenwiderstand vermittelt durch Geschichtswissenschaft und politischen Aktivismus im 20. Jahrhundert von einer historischen Marginalie zu einem staatlich sanktionierten Element der brasilianischen Erinnerungskultur wurde. Dabei wird dargestellt, welche Bedeutungen das Quilombo für verschiedene, sich an Palmares erinnernde Kollektive erhielt und welche Rolle es für den Wandel des Selbstverständnisses der brasilianischen Nation spielt. Hierbei steht insbesondere die antirassistische Bewegung im Vordergrund, für die die Rekonstruktion der Erinnerung an Palmares aufs Engste mit der Frage nach Identität, Nationalität wie auch den kollektiven Rechten der afrobrasilianischen Bevölkerung verbunden ist. Doch auch für die Landlosen- und Arbeiterbewegung steht das Erinnern an Palmares im Zusammenhang mit dem Kampf um kollektive Rechte und Emanzipation.

Betreuer:
Prof. Dr. Johannes Dillinger (Oxford Brookes, Universität Mainz)

Fachbereich:
Mittlere und Neure Geschichte

Akademischer Werdegang des Fellows:

  • 2007-2015: Erstes Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien in den Fächern Deutsch und Geschichte an der Universität Mainz.

Publikationen (bis zum Abschluss des Promotionsverfahrens):

  • "Die goldene Frucht Ostindiens. Eine Warengeschichte der Muskatnuss", in: Skriptum - Studentische Onlinezeitschrift für Geschichte und Geschichtsdidaktik, Bd. 2 (2012), H. 1, S. 30-62.
  • "Intervention und Herausforderung: Die Rezeption der 'Ästhetik des Widerstands' im Umfeld der DKP", in: Peter-Weiss-Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Bd. 21 (2012), S.47-62